Geschichte des Einhorn e.V.

Geschrieben von Andre Weckeiser. Veröffentlicht in Geschichte

Wie alles begann...

Zu einer Zeit, in der das Fernsehen noch nicht die liebste Freizeitbeschäftigung war und das Internet und Mobiltelefone noch nicht existierten, wurde in den Familien und unter Freunden noch viel gespielt; hauptsächlich einfache Kartenspiele und Berühmtheiten wie Mensch ärgere dich nicht! oder Monopoly.

Doch die Spielfreudigkeit fiel im Laufe der Jahre ab, obwohl immer mehr und andere Spiele auf den Markt gebracht wurden. Nur einige Spielfreudige hielten ihrem Hobby die Treue, wodurch sich eine Spieleszene entwickelte, in der man immer mehr Insider war und sich als Einsteiger sehr schwer tat, wenn man überhaupt noch etwas von neuen Spielen mitbekam. In den 1970er Jahren erlebte das Spiel einen Auftrieb. Es wurden wieder Spiele gekauft und ausprobiert. Unter diesen Voraussetzungen lief der Trend von der Spielecke im Kaufhaus zum Spielefachgeschäft mit kompetenter Beratung. Diese Spieleläden bildeten einen Tummelplatz für alle Spielinteressierten, die mehr erfahren wollten über neue Spiele und oft andere Spieler und Spielerinnen kennenlernen wollten.

Rumirs Magic_2Aus solch einem Kreis von 16 Spielekennern und -anwendern, die sich über das damalige Spielefachgeschäft Rumir's Magic in Hanau kennengelernt haben, entwickelte sich im November 1988 der Erste Erlenseer Rollen-, Simulations- und Gesellschaftsspieleverein ERSG e.V. mit dem Ziel, über die inoffiziellen Spielertreffen in Läden und Zuhause hinweg zu kommen und einen öffentlichen Ort für alle Interessierten des Spielens zu bieten. Zu diesem Zweck mietete man in Erlensee-Langendiebach (bei Hanau) Räumlichkeiten über der ehemaligen Gaststätte Zur Stadt Hanau an, die genug Möglichkeiten boten, ungestört und ohne Rücksicht auf eventuelle Lärmbelästigung und Öffnungszeiten zu spielen, da man sie jederzeit betreten konnte.
CON 1992_6Diese Räume bestanden aus einem alten Saal (früher war da mal ein Kino drin) mit Bühne und zwei kleineren Nebenräumen. Als die Gründungsmitglieder die Räume das erste Mal betraten, waren diese in einem miserablen Zustand. Jahrelang hatten sie leergestanden und sind nicht gepflegt worden. Das Positive daran aber war, dass man sich aufgrund dieses Zustands, dem Fehlen jeglicher Heizung und mit der Bereitschaft, alles zu renovieren, auf eine sehr geringe Miete einigen konnte.
So begann man mit der Herrichtung der Räumlichkeiten in einen Zustand, den man als "benutzbar" bezeichnen konnte.

Die folgenden Jahre waren eine sehr schöne Zeit für alle Gründungs- und Neumitglieder, denn man konnte ja jederzeit auf die genialen Räumlichkeiten zurückgreifen. Dies und der grosse Garten hinter dem Haus waren auch Schauplatz und Veranstaltungsort der in der Szene legendären "Erlensee-CONs", die der Verein dort organisierte.

CON 1992_24Doch das Schicksal wollte es anders! Die Eigentümerin des Hauses starb schon ein Jahr später nach Bezug der Vereinsräume; aufgrund mehrerer Erben wurde für das Anwesen eine Erbengemeinschaft gebildet und als Verwalter eine Rechtsanwaltskanzlei aus Hanau eingesetzt. Man konnte für die folgenden drei Jahre eine gute Zusammenarbeit mit dem Hausverwalter verbuchen, bis 1993 das Haus nun doch verkauft werden sollte und sich ein Interessent aus der näheren Nachbarschaft einbrachte. Dieser Herr, namentlich Hans-Joachim Freund, Inhaber des Motorrad-Eck Freund in Erlensee-Langendiebach, wurde schließlich als Hausmeister eingesetzt; seine erste Handlung war ein unangekündigter und unrechtmäßiger Wechsel des Haustürschlosses. Mehrere solcher Schikane-Aktionen sollten folgen, z.B. mehrfacher Einbruch in die Vereinsräume!

In der Nacht vom 6. auf den 7. März 1993 wurden dann, von H.-J. Freund ausgelöst, die Vereinsräume während einer Veranstaltung (mit teilweise minderjährigen Teilnehmern) trotz laufendem und gültigem Mietvertrag von zwei über persönliche Beziehungen zur Polizeistation Hanau II herbeigeholte Mannschaftswagenbesatzungen geräumt und die Besucher teilweise durch Beamte bei ihrem erzwungenen Heimweg noch gründlich untersucht und gefilzt. Diese Aktion zog eine erfolgreiche Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Polizei Hanau und eine politische Anfrage zu den Vorfällen im Hessischen Landtag nach sich. Man entschloß man sich danach, nicht länger derartige Traktierungen der Vermieterseite hinzunehmen und begann die Suche nach neuen Vereinsräumen.
Krönender Abschluss dieses ersten Kapitels der Vereinsgeschichte war ein unangekündigter Wechsel der Schlösser und eine Weigerung, den Verein weiterhin Zutritt zu den Räumlichkeiten zu gewähren. Das gesamte in Jahren von den Mitgliedern zusammengetragene Vereinseigentum, unter anderem eine grosse Spielebibliothek, viel Spielmaterial für TableTops sowie die gesamte Möblierung und Küchen-/Thekeneinrichtung hat sich dieser feine Herr in die eigene Tasche gesteckt und war trotz anwaltlicher Hilfe plötzlich verschwunden!
Zurückgeworfen von diesen Vorfällen begannen einige Mitglieder nach der Suche eines neuen Domizils...

Spieletreff Rossdorf_5Schließlich fand der Verein im Ortsteil Roßdorf der Stadt Bruchköbel, einem Nachbarort von Erlensee, eine neue Heimat. Von der Stadt Bruchköbel bekam der Verein kostenlos einen Raum in der hiesigen Mehrzweckhalle zur Verfügung gestellt, in dem wir uns monatlich Dienstags abends zum spielen getroffen haben. Bruchköbel bot sich deshalb an, weil uns von der Stadt großzügig Hilfe zugesagt wurde und dies von der Stadt Erlensee ausblieb. Außerdem wurden wir in Roßdorf sofort in die dortige Vereinsgemeinschaft freudig aufgenommen, wodurch wir später auf erfolgreiche gemeinsame Veranstaltungen zurück blicken konnten.
Rossdorf 2000Beflügelt durch dieses Umfeld fanden sich zahlreiche alte und neue Mitglieder des 1. ERSG e.V. ein und waren zu neuen Aktivitäten bereit. Da der Ortsname nicht mehr in den Vereinsnamen passte, musste ein neuer Name her. So wurde in Anlehnung an unser Logo auf der ersten Mitgliederversammlung in Roßdorf der Name Einhorn e.V. aus der Taufe gehoben. Mit Motivation begannen wir wieder mit wöchentlichen Spieletreffs und versuchten auch die alten Nachtcafé-Traditionen wiederzubeleben. Die Spieletreffs wurden gut angenommen, das Nachtcafé nicht. Zeitgleich wurde die Vereinszeitung neu belebt und bekam auch einen neuen Namen und Aussehen; die Unicornus war geboren.

Dies ist jedoch eine eigene Geschichte und kann hier nachgelesen werden.

Leider schliefen die Aktivitäten in Rossdorf mit den Jahren wieder ein, da von unseren eigenen Mitgliedern immer weniger Interesse bestand, aus der Region nach Rossdorf zu fahren. Mitte 2001 wurde der Dienstags-Treff somit wieder eingestellt. Jedoch konnten die Veranstalter-Aktivitäten wiederbelebt werden. So veranstaltete man neben LARPs in den Jahren 2000 und 2001 eine Spiele-CON in der Alten Johanneskirche Hanau zusammen mit dem Team vom Café Kanne.

Aufgrund der geänderten Mitgliederstruktur bestand großes Interesse, den Verein nach Hanau zu verlagern. Nach einiger Suche konnte man 2002 ein neues Domizil im (alten) Hans-Böckler-Haus in Hanau, einem Jugendhaus der Stadt Hanau finden, in dem nun jeden Donnerstag abend ein offenes Spieletreffen organisiert wurde. In Zusammenarbeit mit dem Jugendcafé Kanne nahe des Freiheitsplatzes wurde ein neuer Versuch unternommen, die aus Erlenseer Zeit stammenden Nachtcafés wiederzubeleben, was diesmal gelang. Dazu kamen rege Aktivitäten einiger Mitglieder in der Vampire-Live-Szene sowie mancher Themenabend im Böckler-Haus.

Seit den Roßdorfer Zeiten betätigte sich der Einhorn e.V. auch als Veranstalter und begann in 1998, erstmals ein eigenes LARP zu organisieren.

Dies ist jedoch ebenfalls eine eigene Geschichte und kann hier nachgelesen werden.

Die LARPs sollten jedoch maßgeblich für das Fortbestehen des Vereins beitragen, durch sie wurden viele neue Mitglieder gewonnen und Aktivitäten erweitert. Der Einhorn e.V. veranstaltete von 1998 bis 2003 jährlich ein LARP, während die Aktivitäten im Böckler-Haus immer mehr stagnierten. Als schließlich von der Stadt Hanau entschieden wurde, das baufällig gewordene Böckler-Haus abzureissen, musste der Verein erneut weichen.

In der Zwischenzeit hatten die Gründungsmitglieder und langjährigen Vorstandsmitglieder Ullrich Büttner und Jan Hulverscheid in der Hospitalstrasse in Hanau einen neuen Spieleladen gegründet. Gegenüber des Ladenlokals des damaligen Rumir's Magic, in dem alles begann, entstand wieder eine Keimzelle für kreative Spielinteressierte. In einem Gebäude auf der Rückseite des Ladens richteten die beiden Clubräume ein, die fortan auch vom Einhorn e.V. genutzt werden konnten. Gleichzeitig betrieben Jan und Ulli aber auch einen eigenen Spiele-Club nach ihren vorgegebenen Regeln und der Verein wurde zunehmend ein formaler Zombie, der nicht mehr mit Leben gefüllt wurde.

Schließlich ist der Einhorn e.V. im Jahre 2010 endgültig beendet und amtlich gelöscht worden.