Geschichte der Ein Horn-LARPs

Geschrieben von Andre Weckeiser. Veröffentlicht in Geschichte

Ein Horn ??? ...

1997 erblickte das "Ein Horn" erstmals das Licht der Welt, nämlich als Idee.

An einem typischen Dienstag Abend in den Räumen des Vereins sassen die Leute zusammen, die schon länger dem LARP verfallen waren. Wie so oft unterhielt man sich über die Erlebnisse und Begebenheiten, die man selbst auf dem letzten LARP erfahren hatte.

Geschichten über grosse Schlachten im Halbdunkel der Dämmerung, Überfälle von Orkhorden auf friedliche und arme Abenteurer (hüstel, hüstel...) und ...

Irgendwann meinte jemand (und das nicht zum ersten Mal), warum der Einhorn e.V. nicht selbst ein LARP veranstaltet. Und aus welchem Grund auch immer muss die Stimmung an diesem Abend so positiv gewesen sein, dass die Zweifel über ein solches Vorhaben die Idee nicht wie sonst im Keim erstickten.

Ein Horn 1

Ein Horn 1

So fand sich ein Orga-Team zusammen und fing an zu organisieren. Man mietete das Pfadfindergelände "Lillienwald" in Karben-Petterweil, vielen noch als "Hohenfluten" bekannt, da ein Orga-Mitglied dieses Gelände noch aus seiner dunklen Pfadfinder-Jugend-Vergangenheit kannte. Trotz anfänglicher Skepsis kam ein Termin zustande, an dem das Gelände zu bekommen war und so war man schneller mittendrin, als mancher es sich gedacht hatte.

Jetzt war noch ein weiteres Problem zu lösen. Es fehlte ein Plot, eine Hintergrundgeschichte und ein Name. Damals dachten wir noch nicht daran, eine derartige Veranstaltung jährlich zu wiederholen und nannten es einfach "Ein Horn" (vom Vereinsnamen abgeleitet), um es im nächsten Jahr "Zwei Hörner" zu nennen, was so bescheuert klingt, dass niemand daran glaubte und daher nicht auf die Idee kam, einen sinnvolleren und aussagekräftigeren Namen zu wählen. Alles arbeitete nach dem Motto "Schaun mer mal, wie's klappt" und glaubte nicht so recht daran, dass es ein nächstes Mal geben würde.

Wir erdachten damals auch unseren Hintergrund, bestehend aus dem Königreich Abennogh mit seinen Grafschaften und Herzogtümern. Alles wurde bewusst oberflächlich gehalten, denn man weiss ja nie...

Ein Horn 1Doch irgendwie hatte man sich festgebissen. Abennogh hatte schon einige bedeutende Schicksalsschläge erleben müssen, doch bespielte man es insgesamt sechs Mal. Obwohl es weder eine Kampagne noch ein offizielles Land in der LARP-Welt der Veranstalter war, wurde es von den Teilnehmern rege angenommen.

Ein Horn 2

Ein Horn 2Überrascht von dem Erfolg ging das Orgateam sogleich an die Planung für den Nachfolger. Es waren sich alle sicher, dass der Erfolg des ersten LARPs nur ein Zufall war und man wollte es weiter bewusst klein und günstig halten. So suchte man einen reinen Zeltplatz, der günstig war und maximal ein Gebäude für die Taverne bot. Man fand dieses Gelände in Heigenbrücken im Spessart, daher nannten wir das zweite LARP auch "Das Wirtshaus im Spessart".

Wie man sieht, nahm man alles nach wie vor nicht wirklich ernst und zimmerte ein weiteres LARP zusammen, ohne ein großes Konzept zu haben. Ein reines Selbstverpfleger-LARP nur für Zeltübernachter und eine Taverne vor Ort, dessen bester Kunde (auch OT) der Wirt selber war. Der Plot selber bestand aus diversen Überfällen verschiedener Monster und einem spontan erdachten Sklavenmarkt.

Letztlich befanden wir uns immer noch in der "Testphase", da niemand so recht glauben wollte, dass das mit den LARPs so recht funktioniert. Auch innerhalb des Vereins mussten wir uns immer wieder gegen kritische Stimmen durchsetzen, die den Nutzwert für die Nicht-LARPer bemängelten oder Angst vor dem finanziellen und rechtlichen Risiko als Veranstalter hatten.

Ein Horn 3

Ein Horn 3Doch auch die zweite Auflage sorgte im Nachhinein für viel Zuspruch und weitere Nachfrage für ein nächstes LARP. So nahm man sich vor, diesmal mehr Plot zu bieten und die Vorbereitungen deutlich auszubauen. Ein neuer Zeltplatz sollte auch gesucht werden. Diesmal musste er größer sein, da man im Plot den Plan hatte, ein großes Lager finsterer Chaosgestalten als übermächtigen Gegner zu präsentieren und daraus eine Belagerungssituation zu erschaffen. So entstand auch der Titel "Schatten am Horizont". Ein Zeltplatz wurde - wieder im Spessart - gefunden und entwickelte sich im Nachhinein als völlige Katastrophe! Neben dem Zeltplatz sollte von einem Ein Horn 3Bauern eine Wiese in der Nähe angemietet werden, auf der das Chaoslager seinen Platz finden sollte.

Kurz vor dem LARP (also einige Tage vorher) bekam die örtliche Prominenz der Gemeinde Heimbuchenthal, denen der Zeltplatz gehörte, Kenntnis davon, was genau unser Verein dort veranstaltete. Offenbar getrieben von der damals noch vorherrschenden schlechten Meinung über Liverollenspiele versuchte man, uns die Nutzung zu verbieten, konnte aber den bereits geschlossenen und bezahlten Vertrag nicht widerrufen. So erteilte man strenge Nutzungsauflagen (die der Bürgermeister sogar persönlich überbrachte) und untersagte zahlreiche Aktivitäten im umliegenden Wald. Der Ein Horn 3Besitzer der Wiese, die für das Chaoslager gedacht war, machte am Tag vor dem Aufbau einen Rückzieher und wir standen ohne Ersatz da. Unter den angereisten NSCs des Chaoslagers, die teilweise mehrere Fahrzeuge mit vorbereiteten Palisaden mitführten, fuhren enttäuscht und wütend direkt wieder ab.

Wir versuchten trotz der engen Grenzen und des nun fehlenden Plotelements trotzdem ein Spiel auf die Beine zu stellen, doch das einsetzende Regenwetter gab uns den Rest und machte die Veranstaltung zum schlechtesten Ein Horn aller Zeiten. Das einzig Versöhnliche war der letzte Abend in der Taverne, zu dem wir eigens einen damals prominenten Sänger engagiert hatten, nämlich Harald "Paddy" Schmidt von Paddy goes to holyhead, der uns nach dem Debakel für einige wirklich schöne Stunden verzaubert hat. Skoll!

Die Spieler bemerkten von dem Debakel nicht so viel, da unser Niveau auf den vorherigen Veranstaltungen ja sowieso recht niedrig war. Und da wir schon zahlreiche Stammspieler hatten, die seit dem ersten Ein Horn dabei waren, nahm man uns die Probleme nicht krumm. Statt dessen bekamen wir viel Zuspruch, spontan eingesprungene Spieler, die sich als NSCs betätigten und ganz viel Aufforderung, bitte das nächste Ein Horn zu veranstalten.

Ein Horn 4

Ein Horn 4Bis heute weiss ich nicht, wie wir es geschafft haben, uns nach solch einer Katastrophe wieder aufzuraffen, um ein weiteres LARP zu planen. Ob es der Zuspruch der Teilnehmer war oder die Motivation einiger Orga-Mitglieder, kann ich heute nicht mehr sagen. Fakt ist: Wir haben weitergemacht!
Nachdem einige Orga-Mitglieder gewechselt hatten und neue zum Team gestossen sind, wollten wir das ganze auf neue, vor allem ernstere Füße stellen. Da wir beim Gelände diesmal nichts dem Zufall überlassen wollten und auch alles absolut wasserdicht sein sollte, machten wir uns auf die Suche. Und nach vielen Telefonaten und Gesprächen fanden wir etwas, was wir vorher nie für machbar gehalten hätten: Eine Burg!

Ein Horn 4Wie wir damals an die Burg Tannenberg geraten sind, ist mit nicht mehr bekannt, aber nach Gesprächen mit den (selbst larpbegeisterten Besitzern) und einer Begehung stand fest: Ein Horn 4 findet auf einer Burg statt. Und diese hatte ein großes Gewölbe, also stand sofort das Thema Dungeon im Raum. Schon auf dem Ein Horn 3 hatten wir aus Dachlatten, Brettern, Zelten und Planen ein Dungeon gezimmert, doch diemal sollte es das größte Dungeon aller Zeiten werden. Unsere Bauorga begann zu planen und zu bauen und am Ende war das Dungeon so gross, dass es neben der Burg noch unendlich weite Gänge und (aus Zelten gebaute) Räume besass. Alleine das Dungeon konnte man über Tage bespielen (was einige der Spieler auch gemacht haben) und wir mussten extra eine Dungeon-SL abstellen (und genug NSCs dafür), um das zu bewerkstelligen.

Daneben hatten wir ganz viele Ideen, die toll umgesetzt worden; ein Wahrspiegel - ein Wasserbassin, unter dem wir einen Monitor installiert haben, um kleine Videos einzuspielen; ein tollen Jugger-Turnier; super NSC-Auftritte wie ein adeliger Abgesandter mit Garde oder eine Orkhorde mit ihrem grummeligen Chef. Der Plot war mehrstufig aufgebaut: Es mussten verschiedene Schalter im Wald unschädlich gemacht werden, um am Ende den Oberbösewicht (im Dungeon natürlich) zu erledigen. Hat alles prima geklappt und das LARP lief völlig ohne Komplikationen ab. Und Harald "Paddy" Schmidt war auch nochmal da. Wir hatten das Ein Horn gerettet!

Ein Horn 5

Ein Horn 5Beflügelt von diesem Erfolg wollten wir das natürlich wiederholen und setzten erneut ein LARP auf der Tannenberg an. Wir hatten uns wohlgefühlt und alles hatte geklappt, also blieben wir dabei. Die Orga hatte sich eingelaufen und so gingen wir das neue Projekt an.

Diesmal wollten wir das Chaoslager mit einer Belagerungssituation wieder etablieren, doch ein festes Lager zu errichten klappte nicht, obwohl genug Platz da war. Also beschränkten wir uns auf angreifende Chaoshorden, gegen die eine magische Barriere errichtet werden musste, während der Feind vor den Toren lauerte. Zudem kam noch ein charismatischer Markgraf, der alles auf den Kopf stellte und am Ende ins Gras biss.
Auch ein Dungeon wurde wieder errichtet, doch diesmal deutlich kleiner. Am Ende ging alles gut aus und die Endschlacht war episch!

Ein Horn 5Von Ein Horn 5 gab es auch ein Video, das ich gedreht habe, jedoch bin ich nie zum Schneiden gekommen und das Rohmaterial liegt seitdem auf VHS-C in meinen Beständen herum. Veröffentlicht wurde es bisher nicht.

Nach dem fünften Ein Horn zogen sich einige Mitglieder der Stamm-Orga und -SL aus Zeitgründen zurück. Mit einer veränderten Mannschaft stellte der Verein noch ein sechstes LARP auf die Beine, dies sollte schließlich das letzte seiner Art sein.

Im Rahmen der allgemeinen Auflösungserscheinungen des Einhorn e.V. (siehe Geschichte des Vereins) kam dann kein siebtes LARP mehr zustande. Da ich zu denen gehörte, die nach Ein Horn 5 ausgestiegen sind, gibt es von mir leider keine Fotos von Ein Horn 6 in der Galerie. Vielleicht finden sich irgendwann mal welche, wenn sie jemand in die Galerie hochlädt.

Auf Unicornus.info finden sich zahlreiche Dokumente, Artikel und Fotos der Einhorn-LARPs, die teilweise auf der (nicht mehr existierenden) Vereins-Hompage befanden. Ebenso wird man in undefinierter Zukunft das bisher unveröffentlichte Video-Material finden, was seinerzeit auf dem Ein Horn 5 gedreht wurde. Viel Spass beim Stöbern...